{"id":43375,"date":"2026-07-31T05:38:13","date_gmt":"2026-07-31T05:38:13","guid":{"rendered":"https:\/\/rtsh.al\/rti\/de\/?p=43375"},"modified":"2026-07-31T05:38:13","modified_gmt":"2026-07-31T05:38:13","slug":"antworten-auf-hoererfragen-vom-31-juli","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rtsh.al\/rti\/de\/antworten-auf-hoererfragen-vom-31-juli\/","title":{"rendered":"Antworten auf H\u00f6rerfragen vom 31. Juli"},"content":{"rendered":"<p>Liebe H\u00f6rerinnen und liebe H\u00f6rer,<\/p>\n<p>herzlich willkommen zum deutschen Programm von Radio Tirana. ich w\u00fcnsche Ihnen einen recht guten Empfang und zugleich ein sch\u00f6nes und erholsames Wochenende!<\/p>\n<p><strong>Die Londoner Botschafterkonferenz (1913) und das Schicksal Albaniens: Diskussionen und historische Beschl\u00fcsse<\/strong><\/p>\n<p>Im Schatten der blutigen Balkankriege und des Zusammenbruchs der osmanischen Herrschaft auf dem Balkan trat im Dezember 1912 im Londoner St. James\u2019s Palace die <strong>Botschafterkonferenz<\/strong> zusammen. Unter dem Vorsitz des britischen Au\u00dfenministers Sir Edward Grey versuchten die Gesandten der sechs europ\u00e4ischen Gro\u00dfm\u00e4chte \u2013 Gro\u00dfbritannien, Deutschland, \u00d6sterreich-Ungarn, Frankreich, Russland und Italien \u2013, eine gesamteurop\u00e4ische Eskalation zu verhindern und die politische Neuordnung des Balkans zu regeln.<\/p>\n<p>Im Zentrum der monatelangen, z\u00e4hen Verhandlungen stand dabei die sogenannte <strong>\u201ealbanische Frage\u201c<\/strong>.<\/p>\n<p><strong>Was wurde diskutiert?<\/strong><\/p>\n<p>Kurz nach Ausbruch des Ersten Balkankrieges hatten albanische Delegierte unter der F\u00fchrung von Ismail Qemali am 28. November 1912 in Vlora die <strong>Unabh\u00e4ngigkeit Albaniens<\/strong> ausgerufen, um das historische Siedlungsgebiet vor der Aufteilung durch die Nachbarstaaten zu bewahren. Doch diese Unabh\u00e4ngigkeit war international weder anerkannt, noch waren die Grenzen des neuen Staates definiert. Die albanischen Gebiete waren zu gro\u00dfen Teilen von serbischen, montenegrinischen und griechischen Truppen besetzt.<\/p>\n<p>Bei den Beratungen der Gro\u00dfm\u00e4chte prallten diametral entgegengesetzte Interessen aufeinander:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>\u00d6sterreich-Ungarn und Italien<\/strong> setzten sich vehement f\u00fcr einen eigenst\u00e4ndigen albanischen Staat ein. Wien wollte um jeden Preis verhindern, dass das mit Russland verb\u00fcndete Serbien einen dauerhaften Zugang zur Adria erhielt. Italien wiederum sah in einem schwachen, neuen Nachbarstaat an der Adria ein k\u00fcnftiges Objekt f\u00fcr den eigenen Einflussbereich.<\/li>\n<li><strong>Russland<\/strong> hingegen unterst\u00fctzte die Anspr\u00fcche seiner Verb\u00fcndeten Serbien und Montenegro, die weite Teile Nord- und Zentralalbaniens (darunter das Kosovo) f\u00fcr sich beanspruchten.<\/li>\n<li><strong>Gro\u00dfbritannien, Deutschland und Frankreich<\/strong> agierten oft vermittelnd, stets mit dem Hauptziel im Blick, einen gro\u00dfen europ\u00e4ischen Fl\u00e4chenbrand zwischen den Bl\u00f6cken zu verhindern.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ein weiterer Hauptstreitpunkt war der genaue Verlauf der Grenzen. W\u00e4hrend die albanische Nationalbewegung das gesamte albanische Vilayet (inklusive des Kosovo und Teilen Epirus\u2018) einforderten, dr\u00e4ngten Serbien, Montenegro und Griechenland auf maximale territoriale Zugest\u00e4ndnisse.<\/p>\n<p><strong>Was wurde beschlossen?<\/strong><\/p>\n<p>Nach monatelangem diplomatischem Ringen und dem formalen Entschluss vom 29. Juli 1913 trafen die Gro\u00dfm\u00e4chte weitreichende Entscheidungen, die das Schicksal der Region f\u00fcr das folgende Jahrhundert pr\u00e4gten:<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Anerkennung als F\u00fcrstentum:<\/strong> Albanien wurde offiziell als ein <strong>autonomer, souver\u00e4ner und erblicher F\u00fcrstentum<\/strong> anerkannt, der vom Osmanischen Reich vollst\u00e4ndig losgel\u00f6st und unabh\u00e4ngig war. Die Souver\u00e4nit\u00e4t und Neutralit\u00e4t des neuen Staates sollten unter dem Schutz und der Garantie der sechs Gro\u00dfm\u00e4chte stehen.<\/li>\n<li><strong>Dramatische Gebietsverluste (Die Grenzziehung):<\/strong> Um den Expansionsgel\u00fcsten der Balkanallianz nachzugeben und den Frieden unter den Gro\u00dfm\u00e4chten zu wahren, wurde Albanien ein Gro\u00dfteil seines ethnischen und historischen Territoriums entzogen. Gro\u00dfe geschlossene Siedlungsgebiete \u2013 insbesondere das Kosovo und der Norden Metohijas \u2013 wurden an Serbien und Montenegro angeschlossen, w\u00e4hrend Teile im S\u00fcden an Griechenland fielen. Infolgedessen blieben fast 40 % der albanischen Gesamtbev\u00f6lkerung au\u00dferhalb der Grenzen des neuen Staates zur\u00fcck.<\/li>\n<li><strong>Internationale Kontrolle:<\/strong> Da man den Albanern eine sofortige, eigenst\u00e4ndige Regierungsf\u00e4higkeit nicht zutraute, wurde eine <strong>Internationale Kontrollkommission (IKK)<\/strong> eingesetzt. Diese Kommission aus Vertretern der Gro\u00dfm\u00e4chte sollte f\u00fcr zehn Jahre die Zivilverwaltung, die Finanzen und den Aufbau des Landes \u00fcberwachen.<\/li>\n<li><strong>Sicherheit und Monarchie:<\/strong> Die innere Ordnung sollte durch eine neu aufzubauende Gendarmerie gesichert werden, die von ausl\u00e4ndischen Offizieren (vor allem aus Schweden) geleitet wurde. Zudem verpflichteten sich die M\u00e4chte, innerhalb von sechs Monaten einen europ\u00e4ischen F\u00fcrsten f\u00fcr den Thron Albaniens zu bestimmen (dieser wurde sp\u00e4ter in Person von Prinz Wilhelm zu Wied gefunden).<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe H\u00f6rerinnen und liebe H\u00f6rer, herzlich willkommen zum deutschen Programm von Radio Tirana. ich w\u00fcnsche Ihnen einen recht guten Empfang und zugleich ein sch\u00f6nes und erholsames Wochenende! 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