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Antworten auf Hörerfragen vom 21. August

Liebe Hörerinnen und liebe Hörer,

herzlich willkommen zum deutschen Programm von Radio Tirana. ich wünsche Ihnen einen recht guten Empfang und zugleich ein schönes und erholsames Wochenende!

Unser Freund Volker Willschrey fragt uns: Als ich das letzte Mal in Tirana war, konnte ich den wohl schmeckenden albanischen Bergtee probieren. Diesen Tee habe ich bisher nicht finden können, dürfte aber in Albanien ziemlich bekannt sein. Vielleicht kannst Du mal in einer der Sendungen etwas über diesen Tee berichten. Hat er auch eine gesundheitsfördernde Wirkung?

Hier unsere Antwort

Das Geheimnis aus den albanischen Bergen: Die faszinierende Welt des Çaj Mali

Wer einmal durch die lebendigen Straßen von Tirana geschlendert ist und in einem traditionellen Café Halt gemacht hat, wird ihn höchstwahrscheinlich kennengelernt haben: den albanischen Bergtee, in Landessprache Çaj Mali genannt. Mit seinem milden, leicht blumigen und unverkennbar aromatischen Geschmack hat er schon viele Reisende in seinen Bann gezogen. Doch außerhalb des Balkans ist diese kostbare Spezialität gar nicht so leicht zu finden.

Was macht den Çaj Mali so besonders?

Botanisch gehört der Bergtee zur Gattung Sideritis (häufig Sideritis raeseri oder Sideritis scardica). Der Name leitet sich vom griechischen Wort für Eisen ab, da die Pflanze früher traditionell dazu genutzt wurde, Wunden zu heilen, die durch Eisenwaffen geschlagen wurden.

Die Pflanzen wachsen wild in den unberührten, kalkhaltigen Hochlagen Albaniens – oft weit über 1.000 Metern Höhe. Da sie in freier Natur unter extremen Wetterbedingungen gedeihen, entwickeln sie eine außergewöhnliche Konzentration an ätherischen Ölen und Antioxidantien. Geerntet werden die getrockneten Stängel, Blüten und Blätter meist von Hand.

Gesundheitliche Wirkung: Mehr als nur ein Genussmittel

Was die albanischen Großmütter seit Jahrhunderten wissen, wird mittlerweile auch durch die moderne Wissenschaft gestützt. Çaj Mali ist weit mehr als ein wärmendes Getränk:

  • Stärkung des Immunsystems: Dank reichlich enthaltener Polyphenole und Antioxidantien hilft der Tee dem Körper, freie Radikale zu bekämpfen und Erkältungskrankheiten vorzubeugen.
  • Entzündungshemmend und Magen-Darm-freundlich: Traditionell wird er bei Verdauungsbeschwerden, Blähungen oder leichten Magenkrämpfen eingesetzt.
  • Wohltuend bei Husten und Erkältung: Die ätherischen Öle beruhigen die Atemwege, lindern Halsschmerzen und helfen bei verschleimten Bronchien.
  • Koffeeinfrei und beruhigend: Da der Bergtee von Natur aus kein Koffein enthält, wirkt er stressmindernd und kann zu jeder Tages- und Nachtzeit getrunken werden.
  • Faszinierende neurologische Forschung: Neuere Studien untersuchen sogar das Potenzial von Bergtee im Hinblick auf die Gehirngesundheit und die Prävention von neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer.

Zubereitung wie in Albanien

Traditionell werden die getrockneten Kräuterzweige ein paar Minuten lang in Wasser abgekocht, statt sie nur kurz mit heißem Wasser zu übergießen. Das sorgt dafür, dass sich die wertvollen Inhaltsstoffe und das volle Aroma optimal entfalten. Serviert wird er ganz klassisch mit einer Scheibe Zitrone und etwas Honig.

Unser Freund Borys fragt uns über den Neuron-See

Hier unsere Antwort

Das Rätsel aus der Tiefe: Der „Neuron-See“ in Albanien

Tief im unwegsamen Karstgebirge des südlichen Albaniens, nahe der griechischen Grenze, ist tschechischen Geologen eine Sensation gelungen: Sie entdeckten und vermaßen den weltweit größten bekannten unterirdischen Thermalsee. Benannt nach der finanzierenden Neuron Foundation, gibt der Neuron-See (Liqeni i Neuronit) seither nicht nur Forschern Rätsel auf, sondern weckt auch internationales Interesse.

Hier sind die Antworten auf Ihre brennenden Fragen rund um diese spektakuläre Entdeckung:

  1. Forschung: Wie beteiligt sich Albanien?

Die Entdeckung geht auf ein tschechisches Höhlenforscherteam unter der Leitung von Marek Audy zurück, das die Region um Leskovik und das Vromoner-Tal (nahe dem Fluss Vjosa) untersuchte. Obwohl die Expedition primär privat und durch die tschechische Stiftung finanziert wurde, arbeitet das Team eng mit lokalen Behörden und Fachleuten zusammen. Die Daten des mithilfe von moderner LIDAR-Technologie und Laserscannern vermessenen Sees fließen in gemeinsame hydrogeologische und speleologische Datenbanken ein. Albanische Institutionen erkennen das immense wissenschaftliche Potenzial zunehmend an, da die Region dadurch stark in den Fokus der internationalen Geologie gerückt ist.

  1. Nutzung: Pläne für Kommerzialisierung oder Therapie?

Konkrete, groß angelegte kommerzielle Projekte direkt im Höhlensystem existieren derzeit noch nicht, da sich die Entdeckung im Stadium der wissenschaftlichen Erschließung befindet. Das schwefelhaltige Thermalwasser, das aus den Quellen des umliegenden Gebiets entspringt, wird jedoch im weiteren Umkreis bereits für sein therapeutisches und touristisches Potenzial geschätzt. Ob der unterirdische See selbst jemals touristisch zugänglich gemacht wird, ist aufgrund der extremen Bedingungen fraglich – das Potenzial für den lokalen Gesundheitstourismus in der Region Leskovik ist allerdings unübersehbar.

  1. Territorium: Liegt der See vollständig in Albanien?

Ja. Der „Atmos“-Schacht, an dessen rund 127 Metern Tiefe liegendem Grund sich der See befindet, liegt vollständig auf albanischem Staatsgebiet in der Region Vromoner (Gemeinde Leskovik). Er befindet sich zwar im bergigen Grenzgebiet zum Nachbarland Griechenland, überschreitet die Grenze jedoch geografisch nicht.

  1. Zugänglichkeit: Ist der See für die Öffentlichkeit frei?

Nein, der See ist für die Öffentlichkeit strikt unzugänglich.

Um zu dem rund 138 Meter langen und 42 Meter breiten Gewässer zu gelangen, muss ein über 100 Meter tiefer, tückischer Abgrund (Atmos) überwunden werden. Zudem herrscht in der Höhlenkuppel eine besondere Atmosphäre: Das schwefelreiche Wasser gast Schwefelwasserstoff aus, was zu starken Gerüchen führt. Der Ort bleibt daher vorerst ausschließlich professionellen Speleologen, Geologen und spezialisierten Expeditionsteams mit schwerem Sicherheits- und Kletterequipment vorbehalten

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